Traglast von Kunststoffpaletten: statisch, dynamisch und im Regal
Kurz gesagtEine Kunststoffpalette hat drei Traglasten: statisch (steht auf einer Fläche), dynamisch (wird auf den Gabeln bewegt) und Regallast (liegt frei zwischen den beiden Traversen eines Palettenregals). Im Palettenregal liegt die Palette frei, dann zählt die Regallast. Auf Fachboden oder Hallenboden liegt sie flächig auf, dann zählen statische und dynamische Traglast, jeweils bei gleichmäßig verteilter Last.
Im Datenblatt einer Kunststoffpalette stehen drei Traglasten. Sie beschreiben unterschiedliche Situationen und sind nicht austauschbar [3]. Die Frage, die Sie sich stellen müssen, lautet: Wo liegt die Palette auf?

Frei aufliegend oder flächig gestützt: die Regel in einem Satz
Im Palettenregal liegt die Palette frei: Es gilt die Regallast. Auf Fachboden oder Hallenboden liegt sie flächig auf: Es gelten statische und dynamische Traglast.
Im Palettenregal liegt die Palette nur auf den beiden Traversen, dazwischen ist nichts. Das Deck trägt wie eine Brücke und senkt sich in der Mitte ab. Auf einem geschlossenen Fachboden oder auf dem Hallenboden ist dagegen die ganze Unterseite gestützt [2][11].
| Traglast | Wo die Palette aufliegt | Was zählt |
|---|---|---|
| Statisch | Steht auf einer geschlossenen Fläche: Hallenboden, geschlossener Fachboden | Die Druckfestigkeit von Klötzen und Kufen; im Stapel das Gewicht auf der untersten Palette |
| Dynamisch | Auf den Gabeln von Stapler oder Hubwagen, in Bewegung | Die Biegung des Decks zwischen den Gabeln |
| Regallast | Frei zwischen den beiden Traversen eines Palettenregals, ohne Fachboden | Die Durchbiegung in der Mitte, die mit der Zeit und bei Wärme zunimmt |
Alle drei Werte gelten für eine gleichmäßig auf dem Deck verteilte Last [3][4]. Eine Regallast geben nur Paletten an, die für Traversen ausgelegt sind. Fehlt sie, gehört die Palette nicht direkt auf die Traversen [4]. Ausrichtung, Einfahrregal, Rollenbahnen und Paletten mit 9 Füßen behandelt der Leitfaden zur Regalpalette aus Kunststoff.
Wie gemessen wird: die Prüfungen nach ISO 8611
Die maßgebliche Norm für Flachpaletten ist die ISO 8611. Teil 1 beschreibt die Prüfverfahren, Teil 2 die Leistungsanforderungen und die Auswahl der Prüfungen, Teil 3 die Prüfung der maximalen Arbeitslast [2]. Gültig ist von Teil 1 die Ausgabe 2025, die die Ausgabe 2021 ersetzt [1]. Die Grenzwerte für die Durchbiegung, die wir unten nennen, stammen aus der Ausgabe 2011 von Teil 2 [12]. Wenn Sie sie für eine Abnahmeprüfung brauchen, prüfen Sie sie am aktuell gültigen Text.
Regallast: die Biegeprüfung

Die ISO 8611 nennt die Lagerung auf Traversen oder im Einfahrregal mit freier, nicht gestützter Stützweite „racking“ und prüft sie mit der Biegeprüfung [11]:
- Stützweite. Die Auflagen liegen 75 mm von den Palettenrändern entfernt. Auf einer 1200-mm-Seite beträgt die freie Stützweite 1.050 mm, auf einer 800-mm-Seite 650 mm [11].
- Last. Zwei Linienlasten im Abstand von 0,18 mal der Stützweite von jeder Auflage, also eine verteilte und keine punktförmige Last [11].
- Durchbiegung. Unter Last höchstens 2 % der Stützweite, etwa 21 mm auf 1.050 mm. Nach dem Entlasten muss sie wieder unter 0,7 % liegen [12]. Die amerikanische ASTM D1185 lässt 1,9 % zu [2].
- Richtung. Eine Palette wird über die Länge geprüft, eine über die Breite, und angegeben wird die schwächere Seite, außer die beiden Werte liegen innerhalb von 15 % [11]. Eine Stützweite von 1.050 mm und eine von 650 mm ergeben sehr unterschiedliche Durchbiegungen.
Dynamische und statische Traglast
Für die dynamische Traglast hebt die ISO 8611 die Palette auf etwa 100 mm breiten Gabeln an. In der Ausgabe 2011 von Teil 2 sind 20 mm Durchbiegung unter Last und 7 mm nach dem Entlasten zulässig [12]. Für die statische Traglast wird die Druckfestigkeit von Klötzen und Kufen auf einer geschlossenen Fläche geprüft, mit höchstens 4 mm Verformung, und getrennt davon die Stapelung [12].
Nennlast und Sicherheitsfaktor
Die Norm unterscheidet zwei Größen.
- Die Nennlast ist die niedrigste sichere Last, die für eine bestimmte Auflage ermittelt wurde. Sie dient zum Vergleich von Paletten und schließt Punktlasten aus [2][11].
- Die maximale Arbeitslast gilt nur für die Ladeeinheit, mit der sie geprüft wurde. Ändern sich Verpackung, Lagen oder Sicherung, gilt das Ergebnis nicht mehr [2]. Wie Sie die Ladung sichern, erklärt der Leitfaden zur Ladungssicherung.
Die sichere Last ergibt sich aus der Bruchlast geteilt durch einen Sicherheitsfaktor, der in der ISO 8611 mindestens 2 beträgt (in der ASTM D1185 etwa 2,84). Dann wird die Steifigkeit über die Grenzwerte der Durchbiegung geprüft, und der niedrigere der beiden Werte gilt [2][12].
Kriechen und 40 °C: warum das Regal für Kunststoff die härteste Prüfung ist

Unter einer konstanten Last gibt Kunststoff langsam weiter nach, das nennt man Kriechen. Deshalb sieht die ISO 8611 für Kunststoffpaletten Kriechversuche über 24 oder 48 Stunden vor, die ASTM D1185 nur 2 Stunden [2]. Gemessen wird die Durchbiegung auch nach dem Entlasten [12]. Genau das passiert im Regal: eine Last, die wochenlang steht.
Die Grundprüfungen laufen bei 23 °C, die maximale Arbeitslast von Kunststoffpaletten wird aber bei 40 °C geprüft [12]. Diese Temperatur wird im Sommer unter einem ungedämmten Dach erreicht. Ein Hersteller von Kunststoffartikeln nennt als Einsatzbereich etwa −45 bis +77 °C für HDPE und −23 bis +82 °C für PP, mit kurzen höheren Spitzen beim Waschen [8]. Einen öffentlichen Abminderungsfaktor für die Temperatur gibt es nicht. Arbeitet die Palette in einem warmen Raum, in der Nähe eines Ofens oder in einem Container in der Sonne, fragen Sie den Hersteller nach der Traglast bei dieser Temperatur. Die Unterschiede zwischen den Werkstoffen erklärt der Leitfaden zum Material von Kunststoffpaletten.
Wie viel sie tragen: Werte aus Datenblättern
Die Werte unten stammen aus Herstellerdatenblättern für Paletten 1200×800 und 1200×1000. Es sind Werte einzelner Modelle und keine Marktdurchschnitte.

| Klasse | Maß | Palettengewicht | Statisch | Dynamisch | Regallast | Beispiele im Datenblatt | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Leicht (nestbar) | 1200×800 | 5,2–8,2 kg | 2.500 kg | 800–1.000 kg | nicht angegeben | Katalog Schoeller Allibert | [5] |
| Leicht (nestbar, Linie Medium Duty) | 1200×800 | 6,2–8,9 kg | 1.500 kg | 650–1.200 kg | meist nicht angegeben | Katalog Schoeller Allibert | [5] |
| Leicht | 800×600 | 3,7 kg | 500 kg | 250 kg | nicht angegeben | Katalog Schoeller Allibert | [5] |
| Mittel mit Kufen | 1200×800 | 14–15,3 kg (18,5–19,8 verstärkt) | 6.000 kg | 1.500 kg | 800 kg (1.250 kg verstärkt) | Katalog Schoeller Allibert | [5] |
| Mittel mit 3 Stahlprofilen | 800×1200 | 16 kg | 5.000 kg | nicht angegeben | 1.200 kg | ROLL PP69 | [10] |
| Schwer | 1200×1000 | 18,8–23,5 kg | 4.500–5.000 kg | 1.250–1.500 kg | 1.000–1.250 kg | Katalog Schoeller Allibert | [5] |
| Schwer, 3 oder 5 Kufen | 1200×1000 | 20–25 kg | 5.000–7.500 kg | 1.250–1.500 kg | 1.000–1.400 kg | Craemer CR3 / CR3-5 | [6] |
| Schwer mit 3 Kufen | 1200×800 | ca. 18 kg | ca. 7.500 kg | ca. 1.270 kg | ca. 1.000 kg (1.750 kg mit Stahl) | Craemer TC1 | [7] |
Zum Vergleich: Die EPAL-Europalette aus Holz hat eine Nutzlast von 1.500 kg und trägt als unterste Palette eines Stapels auf ebenem Boden bis zu 5.500 kg [9].
Bei mittleren und schweren Paletten liegt die dynamische Traglast bei einem Drittel bis einem Sechstel der statischen, und die Regallast liegt noch darunter. Stahlprofile verändern vor allem die Regallast: Bei einer schweren Kufenpalette steigt sie von 1.000 auf 1.400 kg [6].
Gleichmäßige Last und Punktlast
Die angegebenen Traglasten setzen eine Last voraus, die über das ganze Deck verteilt ist: Kartons, Säcke, gut verteilte Fässer. Ein Hersteller prüft die Regallast zum Beispiel mit 25-kg-Säcken [3].

Eine Punktlast verhält sich anders. Das gleiche Gewicht auf einer kleinen Fläche oder auf einer Linie biegt das Deck viel stärker durch. Die ISO 8611 nimmt Punktlasten von der Nennlast aus [2].
Der typische Fall ist die Rolle. Eine Folien-, Papier- oder Aluminiumrolle auf einer Flachpalette berührt das Deck entlang einer Mantellinie. In einem Sattel oder einer Mulde bringt sie ihr Gewicht über zwei gewölbte Auflagen ein. In beiden Fällen ist es eine Punktlast, und die Traglast einer Flachpalette reicht für die Auslegung nicht aus. Wie Sie einen Ladungsträger für Rollen nach Durchmesser, Gewicht und Hülse auswählen, erklärt der Leitfaden zu Paletten für Rollen.
Wie Sie ein Datenblatt lesen

- Prüfen Sie die Prüfbedingungen: gleichmäßige Last oder nicht, welche Norm, welche Temperatur. Eine Traglast ohne Bedingungen sagt wenig.
- Gehen Sie von der niedrigsten Traglast aus, die Sie betrifft. Kommt die Palette auf Traversen, entscheidet die Regallast und nicht die statische Traglast.
- Suchen Sie die Richtung der Regallast: über die lange oder über die kurze Seite. Steht sie nicht im Datenblatt, fragen Sie den Hersteller.
- Prüfen Sie, ob der Wert eine Verstärkung voraussetzt. Oft gehört die höchste Traglast zur Version mit Stahlprofilen, die mehr kostet und mehr wiegt [6][7].
- Achten Sie auf den Stapel. Die statische Traglast muss mit dem Gewicht aller beladenen Paletten über der untersten verglichen werden [3].
Wenn Sie diese Anforderungen in eine Bestellung schreiben müssen, zeigt der Leitfaden zu Lastenheft und Prüfung, was Sie verlangen und wie Sie es kontrollieren.
Häufige Fehler beim Lesen der Traglast

- Die statische Traglast für den Transport nehmen: Eine Palette mit 2.500 kg statisch trägt auf dem Stapler unter Umständen nur 800 kg [5].
- Die statische Traglast im Regal anwenden: Für dieselbe Kufenpalette kann das Datenblatt 5.000 kg statisch und 1.000 kg im Regal angeben [6].
- Eine nestbare Palette mit Füßen auf Traversen stellen: Sie gibt in der Regel keine Regallast an [5].
- Die Punktlast vergessen: Das Datenblatt deckt keine Rollen, Werkzeuge, Motoren oder einzelnen Fässer ab [2].
- Zeit und Wärme ignorieren: Eine Palette, die eine Nacht im Regal hält, kann sich nach einigen Sommerwochen über den Grenzwert durchbiegen [2][12].
- Datenblätter nach verschiedenen Normen vergleichen: Ein Wert nach ISO 8611 und einer nach ASTM D1185 beruhen auf unterschiedlichen Sicherheitsfaktoren und Kriechversuchen [2].
Welche Bauarten für das Regal geeignet sind, erklärt der Leitfaden zu den Arten von Kunststoffpaletten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen statischer, dynamischer und Regallast?
Die statische Traglast ist die maximale Last, wenn die Palette auf einer geschlossenen Fläche steht, auf dem Hallenboden oder einem Fachboden. Bei gestapelten Paletten zählt das Gewicht auf der untersten. Die dynamische Traglast ist die maximale Last, während die Palette auf den Gabeln angehoben und bewegt wird. Die Regallast gilt, wenn die Palette frei zwischen den beiden Traversen eines Palettenregals liegt, und ist in der Regel die niedrigste der drei.
Welche Traglast muss ich ansehen?
Das hängt davon ab, wo die Palette aufliegt. Im Palettenregal liegt sie frei zwischen zwei Traversen: Dann gilt die Regallast. Auf einem geschlossenen Fachboden oder am Boden liegt sie flächig auf: Dann gilt die statische Traglast, und für die Wege, auf denen Sie die Palette bewegen, die dynamische. Durchläuft die Palette alle drei Situationen, entscheidet der niedrigste der für Sie relevanten Werte.
Wie viel kg trägt eine Kunststoffpalette 1200×800?
Laut Herstellerdatenblättern trägt eine leichte nestbare Palette (4 bis 9 kg) 1.500 bis 2.500 kg statisch und 650 bis 1.000 kg dynamisch, eine Regallast ist meist nicht angegeben. Eine mittlere Kufenpalette (14 bis 20 kg) trägt etwa 5.000 bis 6.000 kg statisch, 1.500 kg dynamisch und 800 bis 1.250 kg im Regal. Eine schwere Palette (18 bis 25 kg) kommt auf 4.500 bis 7.500 kg statisch, 1.250 bis 1.500 kg dynamisch und 1.000 bis 1.400 kg im Regal. Maßgeblich ist das Datenblatt des jeweiligen Modells.
Wie wird die Regallast nach ISO 8611 gemessen?
Die Palette liegt auf zwei Auflagen 75 mm von den Rändern entfernt. Auf einer 1200-mm-Seite beträgt die freie Stützweite also 1.050 mm. Belastet wird sie mit zwei Linienlasten. In der Ausgabe 2011 der ISO 8611-2 sind als Durchbiegung 2 % der Stützweite unter Last und 0,7 % nach dem Entlasten zulässig. Geprüft wird in beiden Richtungen, angegeben wird die schwächere. Für Kunststoff kommen Kriechversuche über 24 oder 48 Stunden hinzu.
Gelten die angegebenen Traglasten auch für eine Rolle?
Nein. Die Traglasten im Datenblatt beziehen sich auf eine gleichmäßig über das ganze Deck verteilte Last, und die ISO 8611 nimmt Punktlasten von der Nennlast aus. Eine Rolle bringt ihr Gewicht über eine Linie oder über zwei Mulden ein. Für Rollen und Coils brauchen Sie eine Rollenpalette, die für diese Last ausgelegt ist, oder eine Prüfung durch den Hersteller.
Verringert die Temperatur die Traglast einer Kunststoffpalette?
Ja. Bei Wärme verformt sich Kunststoff unter Dauerlast stärker (Kriechen). Deshalb schreibt die ISO 8611-2 vor, die maximale Arbeitslast von Kunststoffpaletten bei 40 °C zu prüfen. Einen öffentlichen Abminderungsfaktor, der für alle Paletten gilt, gibt es nicht: Arbeitet die Palette in wärmerer Umgebung, fragen Sie den Hersteller nach der Traglast bei dieser Temperatur.
Quellen
- ISO 8611-1:2025 Pallets for materials handling: Flat pallets: Part 1: Test methods
- Virginia Tech, Center for Unit Load Design: Load carrying capacity of pallets (white paper)
- Q-Pall: Load of pallets (Definitionen dynamische, statische Last und Regallast)
- Nelson Company: Capacity ratings for plastic pallets explained
- Schoeller Allibert: Internationaler Gesamtkatalog (Palettendatenblätter)
- Craemer: Industriepalette CR3 / CR3-5 (Produktdatenblatt)
- Craemer: Europalette TC1 (Produktdatenblatt)
- ORBIS Corporation: Temperature ranges for plastic products
- EPAL: EPAL-Europalette (technisches Datenblatt)
- ROLL PP69, verstärkte Kunststoffpalette 800×1200 (Datenblatt)
- ISO 8611-1:2025, Vorschau des Textes (Definitionen und Biegeprüfung im Regal)
- ISO 8611-2:2011 Pallets for materials handling: Flat pallets: Part 2: Performance requirements and selection of tests (Vorschau)
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